Die Zeitschrift "finger" hat sich aus dem  Bedürfnis gegründet, einen Freiraum zu schaffen, der es ermöglicht, Arbeitsansätze unterschiedlicher Disziplinen, die sich mit der Interpretation und Gestaltung gegenwärtiger Kultur befassen, gemeinsam mit KünstlerInnen und Autorinnen zu diskutieren und zu publizieren. Interessant sind dabei die Wechselwirkungen und Überschneidungen der Felder Soziologie, Politik, Religion, Ökonomie, Wissenschaft und der bildenden Kunst mit den Formen des Alltags. Zitate, Gespräche, Interviews und Beobachtungen an Ort und Stelle bilden den Grundstock der Arbeit. Sie wollen nicht als Exempel irgendeiner Theorie, sondern als exemplarische Fälle der Wirklichkeit gelten und bilden so, in der Gesamtheit, ein Bild gegenwärtiger Kultur.

Bisher sind insgesamt 14 finger-Ausgaben erschienen (zusätzl. ein "finger-spezial"). Sieben dieser Ausgaben wurden in Zusammenarbeit mit Galerien und Museen realisiert. Parallel zu den jeweiligen "finger" Ausgaben entstanden zum Teil auch thematische Ausstellungen, mit Fotografien, Lesungen und Alltagsgegenständen, die in situationsbezogenen Displays gezeigt wurden. Die in englischer und deutscher Sprache erscheinende Zeitschrift wird aus Gründen einer preiswerten postalischen Versendung auf Dünndruckpapier gedruckt. Dieses, in den Grundfarben gelb, blau, grün und rot ausgelieferte Papier ist zu einem Erkennungszeichen von "finger" geworden. Sowohl die redaktionellen, herausgeberischen und grafischen Arbeiten, als auch die Produktion und Distribution von "finger", werden von uns in Personalunion geleistet.

Den Artikeln von finger ist gemeinsam, dass sie die Gegebenheiten ihres Alltags neu  bewerten und so einen gedanklichen Raum schaffen, der unerwartete Sichtweisen auf scheinbar bekanntes ermöglicht. Dabei geht es nicht darum, sich der inhaltlichen Argumentation der jeweiligen Protagonisten anzuschließen oder sie zu verwerfen, sondern um die Perspektive, sich anhand der gegebenen Beispiele selbst einen neuen Interpretationsrahmen zu schaffen.

Ein übergreifendes Kriterium für alle Geschichten, die "finger" recherchiert, so unwahrscheinlich sie sich auch manchmal anhören, ist ihre reale Grundlage. Hinter den Geschichten stehen Personen und Gruppierungen mit konkreten Anliegen, die sich jeweils individuelle Formen erarbeitet habe